Hola liebe Leser und Leserinnen, ich berichte mal wieder aus Spanien. Genauer gesagt: aus Madrid. Heute schreibe ich über das spanische Schulsystem und über die Probleme, die dieses mit sich bringt.
Das spanische Schulsystem ist ein bisschen anders als in Deutschland. Zum Ersten gibt es dort private Schulen und öffentliche Schulen. Die Privaten sind zum Teil sehr teuer und es braucht schon viel guten Willen, die hohen Beiträge monatlich zu zahlen. Deshalb gibt es noch die Alternative der öffentlichen Schulen, wobei dort das Arbeitsklima und die Leute total anders sind, abhängig vom Schultyp.
Außerdem gibt keine Aufteilung nach der Grundschule. Alle spanischen Schüler zwischen sechs und zwölf Jahren besuchen die Grundschule (educación primaria), dann vier Jahre die ESO (Educación Secundaria Obligatoria).
Damit endet die Schulpflicht, danach können sie eine Lehre machen (formación profesional) oder weiter am „Instituto” lernen. Nach zwei Jahren Bachillerato kann man mit dem spanischen Abitur abschließen.

Meine Schule
Ich besuche hier zu Zeit den Kurs 1° Bachillerato, was der 11. Klasse in Deutschland entspricht. Leider muss man sagen, dass die wenigsten Schüler sich anstrengen, geschweige denn bereit sind zu lernen und Aufgaben zu machen. Meistens endet die Stunde mit einer genervten Lehrerin, die vergeblich versuchte, um Ruhe „¡Silencio!” zu bitten (Ok, das gibt es ja auch bei uns, aber lange nicht so extrem wie hier). Mir scheint, als fehle es den meisten Schülern an Respekt, was ich echt viel schlimmer finde als den Mangel an Arbeitsmotivation.
Das Gute jedoch ist, dass die Klassen in den Bachilleratos relativ klein sind, z.B. in meinem Französischkurs sind nur sieben Leute. Die Klasse insgesamt hat nur in den Fächern Englisch, Sport, Filosofía und Lengua zusammen Unterricht, in den restlichen Fächern wie Geschichte, Wirtschaft etc. kommt es darauf an, was die Schüler am Anfang des Jahres gewählt haben: Letras (Latein und Griechisch), Ciencias Sociales (Wirtschaft, Geschichte, Mathe) oder Ciencias (Physik, Bio, Chemie). In den Klassen der ESO, die eben noch Pflicht sind (entspricht bei uns 7. bis 10. Klasse) sind dann doch etwas voller, bis zu 30 Schülern – und es herrscht einfach nur Chaos.
Ich denke, ich habe mit meiner Klasse trotzdem Glück, auch wenn sie nicht die arbeitswütigste ist (…die machen so gut wie nichts, ein Schüler von 20 hat die Hausaufgaben…soviel dazu) aber die Leute sind echt sehr nett und total offen gegenüber neuen Schülern. Sie haben mich super aufgenommen, gehöre jetzt auch schon zum Club.
Überhaupt sind die Spanier sehr offene, gastfreundliche Menschen, die keine Scheu vor Fremden haben. Sie gehen auf dich zu, fragen wie es dir geht, interessieren sich für die Menschen….sie sind insgesamt einfach offener als die Deutschen. Ich denke, genau das wird mir in Deutschland fehlen!
