Inhalt
Milliardär Bruce Wayne, der sich nach dem Mord an seinen Eltern schwor, als Batman in seiner Stadt Gotham das Verbrechen zu bekämpfen, arbeitet mit Polizist James Gordon zusammen. Dieser erzählt Batman vom einem skrupellosen Mörder ohne Identität, dem Joker. Joker bietet der Mafia von Gotham an, Batman gegen die Hälfte ihres Profits zu töten. Er will so lange Menschen umbringen, bis sich der Mann im Fledermauskostüm zu erkennen gibt. Batman und Gordon holen sich den von den Bürgern gefeierten Star-Anwalt Harvey Dent, der jetzt mit Bruce’s Jugendliebe Rachel zusammen ist, ins Boot. Als Dent vorgibt Batman zu sein um Batman zu schützen, beginnt eine gnadenlose Jagd…
Trailer
Mein Kommentar
Ist der neue „Batman“ wirklich so geil? Auf ein klares „ja“ oder „nein“ wird hier verzichtet. Jeder hat ihn gesehen, und der Rest wird ihn noch sehen. Der Hype war so enorm, natürlich war er dann größer als es der Film selbst letztendlich ist. Schließlich spielt in ihm ein viel zu jung und tragisch verstorbener Star mit, der mehr als gekonnt eine Kultfigur neu interpretierte, und die Werbekampagnen vor dem Kinostart waren sehr groß und aufwendig angelegt, um so viele Leute wie möglich so richtig heiß zu machen. Es klappte. Nun: wird man enttäuscht? Nein, „The Dark Knight“ ist ein starker, düsterer Actionthriller, der seinen Vorgänger „Batman Begins“ locker übertrifft, und dessen störende Elemente nicht wiederholt.
Warum lange erzählen… es passiert verdammt viel in „The Dark Night“, aber glücklicherweise hat man nicht das Gefühl, dass etwas zu kurz kommt; eine Kunst, die „Batman Begins“ noch nicht ganz beherrschte. Der Preis dafür ist ein stellenweise anstrengendes Filmvergnügen. Nichts mehr von wegen bunter No-Brainer. Moralische Konflikte und menschliche Abgründe werden thematisiert. Eine Comicadaption stellt man sich anders vor; „The Dark Knight“ ist eben mehr als das, und dafür mag man ihn.
Was eben auch so gar nicht comic-artig aussieht, ist die knallharte Action im Film. Vor allem eine Verfolgungsjagd im Tunnel bildet einen der Höhepunkte. Die Musik nimmt sich extra etwas zurück, und so entsteht wunderbar raue, rohe, dreckige Action, die unter die Haut geht.
Es knallt ordentlich in Gotham. Doch so ernst das klingen mag, wir haben ja noch den Clown, den Joker. Humor spielt eine nicht unwichtige Rolle im Film. Den gibt es hauptsächlich, aber lange nicht nur von Heath Ledgers Figur. Einige Gags sind untergebracht und lockern die dramatische Story etwas auf.
Wie nie zuvor fixiert sich dieser „Batman“ auf die Charaktere. Allen voran ist da natürlich der Joker. Am besten lässt sich das so zusammenfassen: Man wartet fast darauf, bis endlich wieder eine Szene mit ihm kommt; es ist einfach ein Genuss ihm zuzusehen. (Die Rolle gilt als stark oscar-verdächtig – man darf gespannt sein. Bisher ist der britische Schauspieler Peter Finch der einzige, der nach seinem Tod die Trophäe gewann.) Doch auch die anderen kommen nicht zu knapp. Gary Oldman kann sich, nach dem weniger großen Auftritt in „Batman Begins“, richtig entfalten und spielt Lieutenant Gordon überzeugend als konsequenten Cop und liebenden Vater. Morgan Freeman ist auch wieder dabei. Etwas unterfordert erfüllt er seinen Zweck. Michael Caine gibt gewohnt souverän den vornehmen aber fürsorglichen Alfred, mit einem guten Schuss trockenem Humor.
Christian Bale alias Bruce Wayne, also Batman, also der Gute, ist interessanterweise nicht einmal als der Sympathieträger inszeniert. Er ist genau so arrogant und abgehoben wie sich das gemeine Volk einen Milliardär vorstellt. Doch in seinem Innern steckt noch viel mehr, vor allem durch sein zweites Ich, den dunklen Ritter.
Der etwas verwirrende Besetzungswechsel der Rolle der Rachel (Maggie Gyllenhaal) ist sehr gut zu verkraften. Katie Holmes wirkte einfach zu blass.
Aaron Eckhart, ein wertvoller Neuzugang in der neuen Batman-Saga, verkörpert glaubhaft den Werdegang vom Star-Anwalt zu… seht selbst.
Glaubhaftigkeit ist ein gutes Stichwort. Noch nie war ein „Batman“ so realitätsnah; daher versteht er es auch, den Zuschauer zu packen. Nur ein paar Details wie eine völlig übertriebene technische Spielerei, die Batmans Augen zu blauen Scheinwerfern machen, überspannen den Bogen. Die meist etwas wacklige Kameraführung will das Konzept der Realitätsnähe noch unterstreichen, doch dadurch wird es ab und an leider versäumt, die spektakulären Bilder, wie z.B. Batmans Sprung vom Hochhaus, optimal einzufangen.
Ein weiterer Kritikpunkt wäre der Kurzauftritt von „Scarecrow“, mit dem man einfach nichts anfangen kann. „Batman Begins“ war vorbei, bevor „Scarecrow“ überhaupt erst richtig loslegen konnte. Da hätte man ihn jetzt auch gleich weglassen können. Aber das sind Kleinigkeiten.
Musikalisch wird die schwere Kost optimal untermalt. Hans Zimmer und James Newton Howard (was für ein Duo!) zauberten starke Melodien und ein Batman-Theme, das eher gediegen und nicht so catchy wie das geniale Original von Danny Elfman ist, aber dem neuen Batman mehr als gerecht wird.
Das Ende wirkt trotz der langen Laufzeit im ersten Moment etwas plötzlich, da es auch etwas wichtiges offen lässt, aber letztendlich doch ideal. Christopher Nolan schuf mit „The Dark Knight“ sein bestes Werk seit „Memento“. Nicht für jedermann zugänglich, nicht schnell zu verdauen, mit Tiefe statt Superhelden-Abenteuern, und gerade deshalb etwas besonderes. Und der Kinofilm des Jahres sowieso.
Schauspieler: Christian Bale, Heath Ledger, Gary Oldman, Aaron Eckert, Maggie Gyllenhaal
Regisseur: Christopher Nolan
Genre: Action
FSK / Jugendfreigabe: 16
Jahr: 2008
Länge in Minuten: 152
Kinostart: 21. August 2008
[rating:3.5]


4 comments
C.H. says:
Aug 23, 2008
“Eine Comicadaption stellt man sich anders vor”
Nun, es scheint der Zeipunkt gekommen wo die Comic-Verfilmung endgültig im 21. Jd. angekommen ist. Sie hat, wie ich es bei mir ein wenig pathetisch ausgedrückt habe, ihre “Unschuld” verloren.
Jonas says:
Aug 27, 2008
Ich hab jetzt Batman noch nicht gesehen, aber The Crow scheint von einem ähnlichen Format zu sein. Zwar schon ziemlich abgedreht (was aber für die Geschichte nötig ist), aber bei weitem nicht mehr unschuldig.
Aber auch da starb der Hauptdarsteller, sogar während der Dreharbeiten (dank Digitaltechnik konnte der Film dennoch fertiggestellt werden). Möglicherweise ist das das Schicksal aller großartigen Comicadaptionen?
Matthias says:
Sep 3, 2008
Ich wills mal kurzfassen:
schlechte bis sehr schlechte Comicumsetzung.
Inhaltlich genauso durcheinander wie der “erste” Teil.
Bei einem film der “The Dark Knight” heisst hätte ich mir mehr Batman auftritte gewünscht… errinnert ein wenig an Seifenoper oder schlechte Anwaltserien…
Der Film ist zwar in einer gewissen Art und Weise unterhaltsam, aber gehört meiner Meinung nach nicht die Kategorie “Muss man gesehen haben…”, schon garnicht als Batman Fan oder auch nur etwas bewandeter Batman seher/leser.
Schauspielerisch will ich Heath L. loben, denn für das schelchte Drehbuch kann er nichts und er macht seine arbeit gut.
Batman wirkt etwas deplaziert in einer Stadt die aussieht wie NewYork und genauso deplaziert ist “die vogelscheuche auch Scarecrow genannt“.
Ansosten bis auf das Drehbuch ist der film gut…da aber meineserachtens das Drehbuch das wichtigste am Film ist… naja möge jeder für sich selbst entscheinden, ich habs hiermit für mich getan.
Andreas says:
Sep 5, 2008
Ich hab das Gefühl der Erfolg von The Dark Knight veranlasst viele dazu, den Film unnötig schlechtzumachen um quasi persönlich den Hype zu “korrigieren” – diese fehlende Objektivität stört mich, denn ich kann nicht nachvollziehen wie man den Film einfach als “schlecht” bezeichnen kann.
Man kann den Film ruhig nicht-so-toll finden oder nicht mögen, sollte aber trotzdem die unglaubliche Leistung sehen die so ganz und gar nicht alltäglich ist: Die Story ist packend und überzeugend (wenn auch sehr verdichtet, man muss sich schon auch mühe geben die Story zu verstehen: es empfiehlt sich den Film nicht nur einmal zu schauen und auch Batman Begins nochmals anzuschauen, dann versteht man vieles deutlich besser), die visuelle Präsentation finde ich atemberaubend, die Schauspieler machen ihre Sache ungewöhnlich gut (nicht nur Heath Ledger), der Film ist ausserdem wirklich düster und die moralischen Konflikte sind so ungefähr der erste Versuch überhaupt, eine Comic-Adaption zu machen zu der man einen persönlichen Bezug haben kann und deren Fragen auch ausserhalb einer Comic-Welt durchaus vorkommen. Auch wird in diesem Film wirklich etwas gewagt und nicht einfach eine 0815-Storyline aufgewärmt wie in so vielen anderen letztlich austauschbaren Filmen.
Die Geschichte Batmans wurde sehr sorgfältig übernommen, es ist trotz dem unterschiedlichen Style im Vergleich zu anderen Comic-Verfilmungen nah am Original – ich finde man spürt deutlich dass Christopher Nolan selber ein Fan der Batman-Geschichten ist und der Film aus eigener Begeisterung entstanden ist. Dass man als Batman-Fan diesen Film nicht atemberaubend finden kann, kann ich mir einfach nicht vorstellen. Allein die Figuren wie der Joker oder Two-Face sind in diesem Film so in Szene gesetzt worden, dass man sich besser denn je in diese Welt einfühlen kann.
Dass man den Film trotzdem nicht mögen kann, kann ich auch verstehen – es ist kein lustiger Popcorn-Film wie bei den Spiderman-Adaptionen wo man das Gehirn auch mal ausschalten und die Handlung auch auf zwei Sätze reduziert werden kann, oder einfach reines Fantasie-Kino wie z.B. bei X-Men, wo man keinen Bezug zur eigenen Realität sehen muss. Zwar würde ich The Dark Knight nicht gerade als realistisch bezeichnen, aber allein die Bösewichte und die Geschichte ist so greifbar wie noch nie zuvor bei so einem Film, und trotz den etwas unrealitischen Fähigkeiten von Batman hat man das Gefühl, dass Batman scheitern könnte, dass er vielleicht nicht heil wegkommt.