Alle wissen über die derzeitige Situation an Gymnasien und Berufsschulen im südwestlichsten Bundesland bescheid: Katastrophal! Aktuelle Zahlen belegen dies wieder einmal. Es sind 1100 Gymnasial- und 200 Berufsschullehrstellen frei, da es an Lehrkräften mangelt.

Rau mit neuer Werbekampagne

Die neue Werbekampagne”

Nun soll eine bundesweite Werbeaktion, für rund 360.000 Euro, neue Lehrkräfte aus anderen Bundesländern anlocken. Sie startet am Freitag, den 13.Februar, und wird im Internet, Zeitungen und auf Großplakaten zu sehen sein. Zusätzlich sollen Schokoladentafeln der Marke Ritter-Sport damit bedruckt werden. Die Slogans sind sehr witzig gehalten und ähneln denen der sehr erfolgreichen Image-Kampagne des Landes Baden-Württembergs (“Wir können alles, außer Hochdeutsch.”).

Sehr guten Morgen, Herr Lehrer!

Auf Großplakaten etwa wird zu lesen sein: „Sehr guten Morgen, Herr Lehrer! – Jetzt bewerben.” Oder ein anderer Slogan lautet: „Wenn Sie dort arbeiten möchten, wohin andere so gern auf Klassenfahrten unternehmen, dann bewerben Sie sich jetzt.“

Möglich wurde diese Werbekampagne durch eine Gesetzesänderung zur Lehrerausbildung. Diese ist nun im ganzen Bundesgebiet vereinheitlicht. Ebenso ist der Austausch von Lehrern wesentlich einfacher geworden, da diese nun ohne bürokratischen Aufwand die Länder wechseln können. Doch warum Baden-Württemberg? Rau wirbt mit den guten Arbeitsbedingungen und dem winkenden Beamtenstatus, der eine sichere, wirtschaftsunabhängige Arbeitsstelle verspricht. Außerdem erhofft er sich großen Zuspruch aus Ländern in denen die Stellensituationen umgekehrt ist. In Thüringen kann nur jeder dritte fertig ausgebildete Referendar angestellt werden.

Aber nicht jeder, der sich in Baden-Württemberg bewirbt, bekommt sicher eine Stelle. Die Ausschreibung findet zwar zentral statt, die Vergabe geschieht jedoch durch die Schulen selbst, angepasst an das benötigte Fächerprofil.
Kritiker der Kampagne ist die Lehrergewerkschaft GEW. Ihrer Meinung nach ist das viele Geld falsch investiert, denn von diesen Geldern hätte man besser die 4000 Lehrer bezahlt, die im letzen Sommer aufgrund von Personalkürzungen abwanderten.

Auch am Kant spürt man den Lehrkräftemangel

Selbst an unserem Kant-Gymnasium ist die Lage spürbar, wo sogar mehrere pensionierte Lehrkräfte wieder an die Schule geholt wurden um dort zu unterrichten. Wenn ein Lehrer länger erkrankt, müssen sofort größere Verschiebungen stattfinden oder gar Überstunden gemacht werden, da man so gut wie keine Reserven hat. Es bleibt also zu hoffen, dass die Kampagne den erwünschten Erfolg bringt und sich die prekäre Situation entschärft.