Der vom Kopf abwärts gelähmte Philippe (François Cluzet) ist eigentlich auf der Suche nach einem neuen Pfleger, als er auf den gerade aus dem Gefängnis entlassenen Driss (Omar Sy) trifft. Dieser möchte eigentlich nur eine Unterschrift auf einem Formular des Arbeitsamtes, das ihm nur bei drei Absagen weiterhin Arbeitslosenunterstützung zahlt. Die direkte und lockere Art Driss’ fasziniert und verblüfft Philippe, denn im Gegensatz zu den anderen Bewerbern (und auch seiner eigenen Familie) bemitleidet Driss ihn nicht, sondern behandelt ihn völlig normal (wenn auch etwas unverschämt).
Philippe beschließt den jungen Mann probeweise einzustellen. Auch wenn dieser zunächst ganz und gar nicht begeistert ist, bildet sich mit der Zeit eine ungewöhnliche Freundschaft, die das Leben beider Protagonisten grundlegend verändert.
Meine Erwartungen an den Film waren einerseits hochgesteckt, da er in den Kritiken durchweg gelobt worden war, andererseits war ich skeptisch, da ich bereits mehrere Filme zum Thema Behinderung angesehen hatte und diese größtenteils nicht sonderlich mochte. Sie waren immer zu extrem, entweder fuhr man die Mitleidsschiene oder aber man zog die Behinderung ins Lächerliche. Hinzu kam, dass ich meine Compassion-Woche im Rollstuhlverein von Lörrach gemacht hatte und daher mit der Materie vertraut war. Ich rechnete eigentlich mit einer Enttäuschung oder einem allenfalls halbwegs guten Film.
Doch ich sollte mich irren: Dieser Film ist ein Meisterwerk.
Er ist ausgewogen, balanciert geschickt zwischen Humor und Ernsthaftigkeit. Bei allen Scherzen (die manchmal auf niedrigstem Niveau, manchmal auf höchstem vertreten sind) vergisst der Film nie darzustellen, was eine körperliche Behinderungen für Einschränkungen im alltäglichen Leben bedeutet, ohne dabei weinerlich oder mitleidsheischend zu werden.
Beide Charaktere sind auf ihre eigene Art und Weise faszinierend, es ist eine Freude den Schauspielern zuzusehen. Die ungewöhnliche Freundschaft, die im Lauf der Zeit entsteht, ist niemals linear und allzu offensichtlich gestaltet, sie wird immer wieder durch Ereignisse verändert und in andere Bahnen gelenkt. Die Nebencharaktere fügen sich gelungen in das Gefüge der Szenen ein, sie sind nie oberflächlich und einseitig.
Das gelunge Gesamtbild, das mit der Stadt Paris einen wunderschönen Hintergrund hat, wird von der Klaviermusik von Ludocvico Einaudi, klassischer Musik und der Gruppe ‘Earth, Wind&Fire’ untermalt.
Ich kann diesen Film nur empfehlen und bin damit sicherlich nicht allein, denn als der Absapnn über die Leinwand flimmerte, sah man so einige Hände, die es danach juckte zu klatschen.
Wenn im September die DVD erscheint, wird diese sicherlich einen Ehrenplatz in meinem Regal erhalten.
Bewertung:
Hannah Mechler

